Das Rote Moor ist das südlichste der vier Rhönmoore und mit einem 314 Hektar großen Naturschutzgebiet das größte Moorgebiet der Rhön.
Leider begann man schon Anfang des 19. Jahrhunderts damit, es auszubeuten. Der Torfabbau dauerte bis 1984 und führte dazu, dass etwa die Hälfte des Hochmoores torfleer gefördert wurde.



Warum das Moor „rot“ heißt
Mit Farbe im engeren Sinn hat der Name wenig zu tun: Gemeint ist das Torfmoos, das früher „rotes Moos“ genannt wurde und aus dem der Moorkörper zum größten Teil besteht – schon eine Beschreibung von 1803 verwendet den Namen so. Wer im Spätsommer über den Bohlenpfad geht, findet die Farbe trotzdem, denn die Moosteppiche laufen dann tatsächlich ins Rötliche.
12.000 Jahre für zwei Meter Torf
Der Moorkörper begann sich nach der letzten Eiszeit zu bilden, vor rund 12.000 Jahren. Torf wächst dabei quälend langsam: etwa zwei Millimeter im Jahr, und was davon nach der Verdichtung übrig bleibt, sind eher 0,6 Millimeter. Eine Bohrung im Roten Moor reichte allein durch die Hochmoorschicht 2,06 Meter tief – das sind, grob gerechnet, ein paar Jahrtausende in einem einzigen Bohrkern.
Vor diesem Hintergrund muss man den Torfabbau lesen, der 1809 begann und erst im September 1984 endete: 175 Jahre Abbau, und was dabei verschwunden ist, wächst nicht in 175 Jahren nach. Vom Großen Roten Moor sind von einst 32 Hektar noch rund elf übrig, vom Kleinen Roten Moor von sieben Hektar noch nicht einmal zwei.
Übrigens zur Größe: Die 314 Hektar, die überall stehen, sind das Naturschutzgebiet. Der eigentliche Moorkörper ist mit rund 50 Hektar deutlich kleiner – und damit immer noch das größte Hochmoor Hessens. Das Moor liegt zwischen 804 Metern am Südende und etwa 830 Metern im Norden.
Renaturierung und Moorsee
Im Juni 1979 wurde das Gebiet schließlich als Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Der Abfluss des Moores wurde gestaut, um es zum Renaturieren wieder mit genügend Wasser versorgen zu können. Der daraus entstandene Moorsee gehört mit seiner Kulisse aus abgestorbenen Birken zu den schönsten Gewässern der Rhön.
Wiedervernässt wird seit der Unterschutzstellung: In mehreren Etappen zwischen 1981 und 1986 wurden Abflüsse gestaut, Gehölze entnommen und Flächen wiederhergestellt – und gearbeitet wird bis heute. Ein Moor, das 175 Jahre lang entwässert wurde, lässt sich eben nicht in einer Saison zurückholen.
Bohlenpfad und Karpatenbirkenwald
Vom See aus beginnt ein 1,2 km langer, mit Lehrtafeln bestückter Bohlenpfad im Moorrandgebiet, der durch einen wunderschönen und in Europa einzigartigen Karpatenbirkenwald führt.
Am Ende des Weges steht ein hölzerner Aussichtsturm, von dem aus du gut die riesige, sich nur langsam regenerierende Torfabbaufläche überblicken kannst. Dahinter erhebt sich der Sendebemastete Heidelstein.
Der Birkenwald am Bohlenpfad ist keine gewöhnliche Birkengesellschaft: Es handelt sich um die Karpatenbirke, eine Unterart der Moorbirke, die mit dem sauren, nassen und nährstoffarmen Untergrund zurechtkommt, an dem andere Bäume scheitern. Bezahlt wird das mit krummem, knorrigem Wuchs – kein Baum aus dem Bilderbuch, aber genau deshalb sehenswert. Für die Vogelwelt des Moores ist der Bestand ein wichtiger Lebensraum.
Die im Roten Moor lebende Flora und Fauna ist vielfältig. In der offenen Hütte am Eingang des Lehrpfades findest du Tafeln mit Abbildungen der hier lebenden Arten.
Das Rote Moor erreichst du mit dem Auto über die B 278 von Bischofsheim aus. Vom kostenpflichtigen Parkplatz „Moordorf“, wo du auch vor oder nach deinem Moorbesuch einkehren kannst, sind es nur noch etwa 200 Meter bis zum Moorsee. Ein paar Meter weiter startet dann rechte Hand der Bohlenpfad zum Aussichtsturm.
Wanderung zum Roten Moor
Von der Wasserkuppe aus bietet sich das Rote Moor als ideales Ziel für eine Halbtageswanderung an. Praktisch ohne nennenswerte Steigungen führt der Weg zum Moor.
Etwas anspruchsvoller, aber auf jeden Fall sehr empfehlenswert gestaltet sich der Aufstieg vom Wanderparkplatz „Kaskadenschlucht“ beim Gersfelder Stadtteil Sandberg. Durch eben jene Schlucht gelangen Wanderer mit gutem Schuhwerk, Trittsicherheit und etwas Kondition hinauf zum Moor.
Sobald du nach dem Aufstieg auf dem Querweg angekommen bist, der parallel längs zum Moor verläuft, biegst du nach links ab und erreichst nach einigen Metern den Weg, der rechts ins Moor bzw. direkt zum Holzturm führt.
Nachdem du das Moor durchwandert hast, kannst du auf dem selben Weg wieder durch die Kaskadenschlucht absteigen.

















