Schwarzes Moor

Das Schwarze Moor ist eine geologische Rarität und von besonderer Schönheit, die du bei einer Moorwanderung bestaunen kannst.

Das Schwarze Moor liegt direkt an der Hochrhönstraße am so genannten „Dreiländereck“, wo sich auch die Abzweigung nach Seiferts befindet.

Das Schwarze Moor umfasst 60 ha und hat in der Mitte eine Mächtigkeit von 6,5 m Torf. Andere Quellen sprechen von über acht Metern an der mächtigsten Stelle – da sind sich die Experten nicht ganz einig, und für den Anblick von oben macht es ohnehin keinen Unterschied. Torfabbau in großem Stil ist ihm glücklicherweise erspart geblieben. Seit dem 06.01.1939 steht es bereits unter Naturschutz.

Warum heißt es eigentlich „Schwarzes“ Moor?

Nicht wegen des Torfs, wie man vermuten würde, und auch nicht wegen der Stimmung an einem Novembernachmittag. Franz Anton Jäger hat die Erklärung schon 1803 aufgeschrieben: Das rote Torfmoos, das dem Roten Moor seinen Namen gibt, wächst hier ebenfalls – nur ist es hier feuchter, und beim Keimen schimmelt es und wird schwarz. Zwei Moore, dieselbe Pflanze, unterschiedliche Wasserstände, zwei Namen. So einfach ist Namensforschung selten.

Acht Meter Torf, und pro Jahr nicht einmal ein Millimeter

Die Grundlage haben Vulkane gelegt, vor 25 bis 18 Millionen Jahren. Ihre Lavaströme erstarrten zu Basalt, darunter liegen tonige Sedimente aus dem Tertiär – Material, durch das Wasser nicht abfließt. Genau das braucht ein Moor: eine flache Mulde in der Hochebene der Langen Rhön, in der das Regenwasser stehen bleibt und nicht weiß, wohin.

Als die letzte Eiszeit zu Ende ging, vor rund 12.000 Jahren – manche Quellen sagen 14.000, so genau lässt sich das Ende einer Eiszeit eben nicht terminieren –, begann in dieser Mulde das Torfmoos zu wachsen. Es wächst oben weiter und stirbt unten ab, und weil das Wasser sauer und sauerstoffarm ist, verrottet das abgestorbene Material nicht, sondern wird zu Torf. Acht Meter davon in 12.000 Jahren sind noch nicht einmal 0,7 Millimeter im Jahr. Wer heute auf dem Bohlensteg steht, hat also die gesammelte Geduld von etwa vierhundert Menschengenerationen unter den Füßen.

Hoch-, Nieder- oder Übergangsmoor? Alles davon

Ein Niedermoor wird vom Grundwasser gespeist, ein Hochmoor ausschließlich vom Regen. Letzteres ist der anspruchsvollere Zustand: Regenwasser bringt so gut wie keine Nährstoffe mit, das Moor lebt praktisch von Luft und Wasser und wölbt sich mit der Zeit uhrglasförmig über seine Umgebung.

Das Schwarze Moor ist genau genommen ein Hangmoor und zeigt alle drei Stadien gleichzeitig – Niedermoor, Übergangsmoor, Hochmoor – samt der typischen Wölbung. Das ist der Grund, warum es bei Geologen einen so guten Ruf hat: Man läuft hier auf zwei Kilometern durch eine Entwicklung, für die man sonst drei verschiedene Ausflugsziele bräuchte.

Der Steg, der das Moor rettet, indem er die Besucher trägt

Der einzige Einschnitt, den das Moor aber gut verkraften kann, ist der Rundwanderweg aus Holzbohlen, der für Besucher angelegt wurde. Auf diesem Knüppeldamm kann man das Moor erwandern, ohne den einzigartigen Mikrokosmos stark zu stören.

Im Moor aufgestellte Hinweistafeln helfen bei der Bestimmung einzelner Tiere und Pflanzen. Auch die an der sehr empfehlenswerten Wurstbude auf dem Moor-Parkplatz erhältliche Broschüre gewährt einen Einblick in die Entstehungsgeschichte und in den Aufbau des Moores.

Gut zwei Kilometer Bohlensteg liegen seit Mai 1987 im Moor, dazu 23 Informationstafeln und zehn weitere mit Löwenzahnmotiv für die kleineren Besucher, die die großen Tafeln erfahrungsgemäß nicht lesen. Eine der Tafeln widmet sich den Moorleichen, eine dem Klimaschutz – Moore speichern pro Fläche mehr Kohlenstoff als Wälder. Der Steg ist dabei keine Bequemlichkeit, sondern Naturschutz mit anderen Mitteln: 100.000 bis 150.000 Menschen kommen jedes Jahr hierher, nach der Wasserkuppe ist das Schwarze Moor das meistbesuchte Ziel der bayerischen Rhön. Ohne Bohlen wäre von der Moorvegetation nach einer Saison nicht mehr viel übrig.

Am 28.10.2007 wurde der neue, 17 Meter hohe Beobachtungsturm am Rande des Moores feierlich eingeweiht. Der Turm aus Holz und Stahl ist konisch und erinnert entfernt an ein Weizenbierglas. Die Plattform bietet einer ganzen Schulklasse Platz und ermöglicht die Beobachtung von weiten Teilen des Moores.

Wer von Luft und Wasser lebt, wird erfinderisch

Das Moor beherbergt noch einige seltene Tier – und Pflanzenarten, wie das Birkhuhn, den Sonnentau oder das scheidige Wollgras, zu dessen Blütezeit das Moor wie mit weißen Büscheln übersäht ist.

Nährstoffarmut macht kreativ. Der Rundblättrige Sonnentau, streng geschützt und keine zehn Zentimeter groß, hat sich entschieden, seinen Stickstoffbedarf nicht aus dem Boden zu decken, sondern aus Insekten. Seine Blätter tragen klebrige rote Drüsenhaare, die in der Sonne aussehen wie Tautropfen – daher der Name – und alles festhalten, was darauf landet.

Das Scheidige Wollgras geht den umgekehrten Weg und setzt auf Masse: zur Fruchtzeit sieht das Moor aus, als hätte jemand Watte ausgestreut. Und mit etwas Glück und viel Geduld entdeckt man vom Turm aus ein Birkhuhn – die Lange Rhön ist einer der wenigen Orte in Deutschland außerhalb der Alpen, an denen es noch vorkommt.

Den Ablauf des Moores bildet der Aschelbach, der in östliche Richtung abfließt und dort mit dem Übergang in den Eisgraben eine weitere Attraktion der Langen Rhön darstellt.

Ein Torbogen und ein Wachturm

Zwei Kapitel deutscher Geschichte liegen hier keine tausend Meter auseinander. Zwischen August 1934 und dem Frühjahr 1936 entstand am Moor ein Lager des Reichsarbeitsdienstes, das „Dr.-Hellmuth-Lager“. Rund 300 Arbeitsmänner, überwiegend aus den Bezirksämtern Nürnberg, Erlangen, Forchheim und Schwabach, waren hier stationiert; im Krieg kamen viele Kriegsgefangene dazu. 1945 wurde das Lager aufgelöst und bis auf die Fundamente abgetragen. Geblieben ist ein großer steinerner Torbogen, der heute als Mahnmal dasteht und auf den ersten Blick aussieht, als hätte jemand ein Tor vergessen.

Ein paar Schritte weiter, direkt am Dreiländereck, steht ein Wachturm der DDR-Grenztruppen. Ein Stück Grenzzaun ist davor rekonstruiert, der Kolonnenweg der Grenzsoldaten ist noch gut zu erkennen. Vierzig Jahre lang endete hier die Welt; heute läuft man in fünf Minuten von Bayern nach Thüringen und merkt es nur, weil ein Schild darauf hinweist.

Wann man nicht hineinkommt

In der Regel ist das Schwarze Moor von November bis April für Besucher gesperrt.

Genauer gesagt: Bei Schnee- und Eisglätte werden Moorlehrpfad und Aussichtsturm gesperrt, was in der Regel zwischen dem 15. November und dem 15. März der Fall ist. Das ist keine Schikane. Nasse Holzbohlen mit Raureif sind eine Rutschbahn, und darunter liegen sechseinhalb Meter Torf. Oder acht. Siehe oben.

Das Schwarze Moor ist in der warmen Jahreszeit einen Besuch wert. Der Rundweg durchs Moor ist auch für Rollstuhlwanderungen bestens geeignet. Es ist außerdem bequem zu erreichen, und zwar über die Hochrhönstraße von Bischofsheim (früher an, heute in der) Rhön, von Oberelsbach, von Seiferts oder von Fladungen aus.