In Walldorf, am östlichen Rand der Rhön gelegen, lockt die Sandstein- und Märchenhöhle kleine und große Besucher in den kühlen Untergrund.
Genau genommen ist die Sandsteinhöhle ein Bergwerk: Seit wann hier gegraben wurde, darüber gehen die Angaben allerdings weit auseinander: Wir haben es immer mit dem 10. Jahrhundert gehalten, andere Quellen lassen den Abbau erst im 18. Jahrhundert beginnen. Unstrittig ist das Ergebnis. Übrig geblieben ist ein rund 65.000qm großes Höhlensystem mit 2500 Säulen – eine der größten Anlagen dieser Art in Europa.
Wozu um alles in der Welt braucht man so viel Sand?
Die Frage stellt sich beim Anblick von 65.000 Quadratmetern Hohlraum unweigerlich. Die Antwort ist erstaunlich häuslich: Der Walldorfer Sandstein ist besonders feinkörnig, hellgrau bis weiß und lässt sich zwischen den Fingern zu Pulver zerreiben. Genau das machte ihn wertvoll. Das Pulver wurde als Scheuermittel verkauft – Stahlwolle und Spülmittel gab es noch nicht – und als Stubenstreusand, den man auf die Dielenböden streute, damit sie sauber blieben. Hausierer trugen ihn durch die Dörfer der Region. Ein ganzes Bergwerk, ausgehöhlt für saubere Küchen.
Bei einer Befahrung bzw. Begehung erfährt der Besucher zunächst einiges über die mühsame Arbeit der Sandmacherfamilien, die sich hier über viele Jahrhunderte mit primitiven Werkzeugen immer tiefer in die Sandlagerstätte gegraben hatten.
Mit dem Ersten Weltkrieg kam der Sandabbau endgültig zum Erliegen. Was blieb, war ein Labyrinth, für das niemand mehr eine Verwendung hatte.
Wie aus einem Bergwerk eine Märchenhöhle wurde
Aber nicht nur als Schaubergwerk ist die Sandsteinhöhle in Walldorf als Ausflugsziel bekannt und beliebt:
Schon seit vielen Jahrzehnten war die Höhle immer wieder durch liebevoll gestaltete Szenen aus verschiedenen Märchen erweitert worden. Froschkönig, Rapunzel & Co. kommen durch das Höhlen-Ambiente und geschickte Beleuchtung besonders gut zur Geltung.
Die Idee ist älter, als man denkt: Erste Planungen für eine Märchenausstellung im Berg gab es bereits 1932. Bis zur Eröffnung dauerte es dann noch ein Vierteljahrhundert – am 9. Juni 1957 wurde die Walldorfer Märchenhöhle mit ihren Dioramen und Spielszenen eröffnet. Wer heute mit Kindern hindurchgeht, bewegt sich also durch eine Attraktion, die selbst schon ein historisches Denkmal ist.












Acht Grad, das ganze Jahr
Die Rhönline-Redaktion hat sich im Selbstversuch davon überzeugt, dass die Sandstein- und Märchenhöhle Walldorf selbst am heißesten Tag des Sommers mit einer konstanten Temperatur von 8-10 Grad eine sehr angenehme Abkühlung ermöglicht.
Der Grund dafür ist simpel: Ein Berg ist ein extrem träger Wärmespeicher. Sommerhitze und Winterkälte dringen nur wenige Meter in das Gestein ein, tiefer drinnen pendelt sich die Temperatur auf den Jahresmittelwert der Region ein und bleibt dort. Deshalb trägt man im August besser eine Jacke hinein und im Januar keine.
Zusätzliche Erfrischung mit Getränken und Eis, sowie Kuchen und kleine Gerichte gibts direkt gegenüber des Höhleneingangs.
Außerdem ist auf dem Gelände ein Mini-Freizeitpark entstanden. Neben einigen kleinen Fahrgeschäften für Kinder kann man hier auch Boote fernsteuern, verschiedene Tiere beobachten und Souvenirs erstehen.
Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Wissenswertes für Besucher der Sandstein- und Märchenhöhle Walldorf: http://www.sandsteinhoehle.de/
















