Ellenbogen

Ist der Ellenbogen bei Frankenheim tatsächlich der höchste Berg der Thüringer Rhön?

Der 814 m hohe Berg, der zugleich ein Ausläufer der Langen Rhön ist, bietet neben einer grandiosen Aussicht ins Ulstertal noch einige andere Aspekte, die ihn als einen der wichtigsten Berge der Rhön erscheinen lassen.

Sicherlich mag er von seinem äußeren Erscheinungsbild nicht mit dem einzelstehender Massive gleichzusetzen sein, denn dadurch dass er sich aus der Hochebene der Langen Rhön erhebt – ähnlich wie der Heidelstein – ist sein Äußeres nicht besonders auffällig und wird einem erst bewusst, wenn man ihn aus dem Ulstertal heraus betrachtet. Jedoch kann der Berg nicht nur eine sehr bewegte Vergangenheit, sondern auch einiges an Attraktionen aufweisen.

Zum einen ist dies das Thüringer Rhönhäuschen, eine sehr idyllisch gelegene Gastwirtschaft mitten im Wald, bei der es auch einen kleines, aber feines Tiergehege gibt, das vor allem Kinderherzen höher schlagen lässt.

Und zum anderen das Eisenacher Haus; mittlerweile ein Komforthotel mit Tagungs-, Seminarräumen und hervorragender Küche. Von hier aus ist es auch nicht weit zum Gipfel, der an und für sich bequem zu erreichen ist.

Update 2026: Seit 2023 sind Hotel samt Restaurant geschlossen. Einkehren und übernachten kannst du aber auf dem Ellenbogen trotzdem noch – im Thüringer Rhönhäuschen.

Saukelhof

Aus der Vergangenheit sind nur noch spärliche Reste vorhanden, denn der Ellenbogen spielte zur Zeit der Blut-und-Boden-Politik während des Dritten Reiches eine wichtige Rolle.

„Bauerntum als Kraftquelle des Volkstums“ – als sogenannter Erbhof entstand in der Nähe des Arbeitsdienstlagers der „Saukelhof“ – damals ein Musterkomplex moderner Weidebewirtschaftung und Rinderhaltung. Sein trutziges Aussehen entsprach genau dem nationalsozialistischen Sinn für „Großdeutsche Architektur“.

Der Hof und das Arbeitsdienstlager überstanden zwar den Weltkrieg, aber nicht die Auffassung der DDR von Grenzsicherungspolitik. Die Gebäude standen einfach zu nah an der deutsch-deutschen Grenze und wurden geschleift. Nur wer die ehemaligen Standorte kennt, kann die Anlagen noch erahnen.

Aber ist der Ellenbogen wirklich der höchste Berg der Thüringer Rhön?

Offensichtlich nicht, denn die Höhe zwischen Frankenheim und der Einfahrt zum Ellenbogen ist in jeder Generalstabskarte mit einer Höhe von 816 m verzeichnet – nur – sie hat keinen Namen. Eigentlich müsste dies der höchste Berg der Thüringer Rhön sein! Na ja – stellen dir vor, was nicht alles umgeschrieben, -gedruckt oder sonst wie verändert werden müsste… Und so gilt nach wie vor der Ellenbogen als höchster Berg dieser Region. Lassen wir es so – die zwei Meter!

Nachtrag: Die Erhebung hat doch einen Namen – sie heißt Schnitzersberg. Und inzwischen hat sich auch die Auffassung geändert: Mit 815,5 Metern gilt er heute als höchster Berg der Thüringer Rhön, der Ellenbogen wird mit 813 Metern geführt, auf den meisten Karten aufgerundet auf 814. Es musste also doch einiges umgeschrieben werden.

„Noah’s Segel“

Seit dem 6. August 2017 steht auf dem Ellenbogen ein Aussichtsturm mit dem Namen „Noah’s Segel“. Gebaut wurde ab Juni 2016; zur Anlage gehören ein Ausstellungsgebäude und – für alle, die den Rückweg abkürzen möchten – eine Rutsche. Von oben reicht der Blick weit über die Lange Rhön und ins Ulstertal.

Bemerkenswert ist auch, wo der Berg liegt: Der Gipfel gehört zu Thüringen, seine Flanken reichen nach Bayern und nach Hessen hinein. Das Dreiländereck liegt gleich nebenan bei Frankenheim. Wer hier oben zwanzig Minuten spazieren geht, war unter Umständen in drei Bundesländern, ohne es zu merken.